Schülerinnen und Schüler aus Ashkelon
1. Städtische Gesamtschute Kaiserplatz in Krefeld /
esr im Rheinland und Kirchengemeinde Krefeld
Eine Begegnung - anders als erwartet
Auch in schwieriger Zeit sollen Begegnungen junger Menschen
aus Deutschland und Israel nicht abbrechen. Darum bereitete
die Evangelische Schüler- und Schülerinnenarbeit im
Rheinland (ESR) den Besuch einer Jugendgruppe aus Israel für
den 3. bis 17. Oktober 2002 vor.
Es besteht seit vielen Jahren ein guter Kontakt zu Kachel
Vardi in Haifa, früher für die Jugendarbeit der Stadt
zuständig und einige Jahre auch Generalsekretärin
des "Council of Youth Movements in Israel". Sie ist
jetzt im Ruhestand, aber immer noch aktiv beim Jugendaustausch
mit Deutschland. Durch Rachel Vardi wurde der Kontakt hergestellt
zu Uri Azriel in Ashkelon. Er ist dort Tanzlehrer an Makif Eroni
A'SchooI und nahm die Einladung nach Deutschland für eine
Jugendgruppe im Alter von 16 bis 18 Jahren an. Die Partnergruppe
in Deutschland: Schüler und Schülerinnen der Stufe
11 der 1. Städtischen Gesamtschule Kaiserplatz in Krefeld,
Dann ging alles seinen seit Jahren üblichen Gang:
- Das Programm vorbereiten und einen Finanzierungsplan aufstellen.
- Anträge auf Zuschüsse vom Kinder- und Jugendplan
des Bundes, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit, der Stadt Krefeld und der Freunde & Förderer
der Internationalen Begegnung mit Israel e.V.
- Vorbereitungs-Seminar für die deutschen Jugendlichen
in enger Zusammenarbeit mit der Schule.
- Und ständig Informationen an den Partner in Israel
über das geplante Programm:
- Ein dreitägiges Seminar in einem Jugendheim in Düsseldorf
als gemeinsamer Auftakt, ein Abend in der Jüdischen Gemeinde
mit Auftritt der Gruppe "Hora Ashkelon" unter Leitung
von Uri Azriel.
- Dann eine Woche in Krefeld in Gastfamilien mit Exkursionen
nach Venlo zur Partnerschule "Veluas College", nach
Köln und nach Amsterdam mit Besuch im Anne-Frank-Haus
und vieles mehr.
- Zum Abschluss eine fünftägige Fahrt nach Berlin
mit einem umfangreichen Programm, vom Besuch im Reichstag,
dem Jüdischen Museum und einer Fahrt zur Gedenkstätte
KZ Sachsenhausen bis zum Besuch im Fernsehturm und einem Abend
im Friedrichstadtpalast und Disco-Besuch.
Aus Israel erhielten wir von Uri Azriel ein Video mit Aufnahmen
vom Auftritt der Gruppe "Hora Ashkelon" mit traditionellen
und modernen israelischen Tänzen. Das Demo-Band überzeugte,
so dass ein Abend im Leo-Baeck-Saal in Düsseldorf und ein
Abend im Kulturpunkt Friedenskirche in Krefeld in der Presse,
in Gemeindebriefen und im Lokalfernsehen groß angekündigt
wurden.
Am 30. September kommt die Nachricht, dass die Gruppe nicht
in Frankfurt sondern in Amsterdam ankommt, und zwar bereits
in der Nacht zum 3. Oktober. Heribert Rösner holt die Gruppe
am Flughafen ab. Es sind tatsächlich 19 Israelis, die in
den bereitgestellten Bus steigen - aber Uri Azriel ist nicht
dabei, stattdessen ein anderer Lehrer, Rafi Solon - der aber
kaum Englisch spricht. Die beiden Frauen aus Haifa hatten dies
auch erst am Flughafen in Tel Aviv erfahren.
Die größte Überraschung aber war: Die Jugendlichen
aus Ashkelon sind mehrheitlich Kinder russischer Immigranten.
Sie sprechen zwar alle inzwischen Iwrith, aber kein Englisch
- und das war als Verständigungssprache bei dieser Begegnung
vereinbart. Die Kommunikation mit der deutschen Gruppe war also
mehr als schwierig. Nun musste das Programm des Seminars Düsseldorf
völlig umgestaltet werden. Nonverbale Methoden der Verständigung
standen nun im Vordergrund.
Schließlich wurde sehr schnell deutlich, dass die Jugendlichen
aus Israel fast keinen religiösen Hintergrund mitbrachten.
Die deutschen Jugendlichen wussten entschieden mehr über
den jüdischen Glauben, als die Gäste. Sie hatten zum
Teil mitgearbeitet an einem aufwendigen Faltblatt mit Informationen
über die jüdische Gemeinde in Krefeld und waren daher
über viele Aspekte des Judentums gut informiert. Ein christlich
- jüdischer Dialog mit den Gästen aus Israel kam daher
nicht zu Stande.
Es stellte sich nun heraus, dass die Jugendlichen aus Israel
kaum informiert waren über das, was sie hier erwartete,
irgendeine Vorbereitung hatte es Israel nicht gegeben. Sie erwarteten
einen zweiwöchigen Urlaub in Deutschland und viele wollten
auf keinen Fall für eine Woche in eine Gastfamilie. Da
die Jugendlichen kein Englisch sprachen, war das auch für
die Gastgeber eine schwierige Situation.
Viele der anvisierten Ziele dieser Jugendbegegnung konnten
so nicht erreicht werden, wie z.B.:
- Austausch über die politische und gesellschaftliche
Situation in Israel und Deutschland
- Gespräche über die jüngste deutsche Vergangenheit
und die Shoa
- Gegenseitige Informationen über das Judentum und Christentum
Es gab allerdings auch positive Aspekte dieser Begegnung.
Beim Besuch im Anne-Frank-Haus in Amsterdam konnte kurzfristig
das Programm in Iwrith durchgeführt werden. Dabei hörten
erstmals die "nassischen" Israelis fast zwei Stunden
aufmerksam zu. Auch beim Besuch im Jüdischen Museum in
Berlin zeigte sich für eine gewisse Zeit Interesse bei
den Jugendlichen aus Ashkelon. Schließlich beeindruckte
offensichtlich eine kleine Gedenkfeier in der Gedenkstätte
Sachsenhausen, die jungen Menschen.

Ein Nachtreffen mit den deutschen Schülerinnen und Schülern,
einige Wochen nach der Begegnung, brachte eine überraschend
positive Bewertung. Fast alle fanden es eine interessante Herausforderung
sich auch ohne gemeinsame Sprache zu verständigen. Das
Programm fand im Rückblick volle Zustimmung.
Das Leiter/innen - Team auf deutscher Seite hätte vieles
anders geplant, wenn es eine bessere Kommunikation mit dem israelischen
Partner gegeben hätte und rechtzeitig bekannt gewesen wäre,
das eine Gruppe sozial schwieriger und wenig gebildeter Sonderschüler
im Alter von 19 bis 21 Jahren, die nur die russische Sprache
wirklich beherrschten und teilweise nur begrenzte Iwrith- Kenntnisse
hatten zu uns kommen würde.
Wenn für diese Gruppe, die noch nie eine Reise ins Ausland
machen konnte, die Tage hier ein schönes Erlebnis waren,
an das sie gerne zurückdenken, hat sich dieses Begegnung
gelohnt.
Kurt Lüngen
Eine Begegnung - anders als erwartet
- Ja - so war es ? Warum? Der Koordinator und Organisator dieser
Begegnung - Pfarrer Kurt Lungen -, die Gastgeber und Partnerschule
in Krefeld erwarteten eine israelische Schülergruppe, die
kam auch an, jedoch sprach keine/keiner der Jugendlichen englisch
oder war mit jüdischem Glauben und seinen Riten vertraut,
es waren Kinder russischer Einwanderer, die zudem auch nicht
auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbreitet waren. So mußten
die Verantwortlichen der Begegnung umdenken und neu organisieren,
es gelang ihnen. Die Freundschaft zu Israel, hier auch zu Rachel
Vardi aus Haifa, die K.L. in seiner Not anrief und um Mitarbeit
bat und die dankenswerter Weise kurzfristig die Leitung der
Gruppe übernahm, war stark genug, alle Enttäuschungen
und Schwierigkeiten zu überwinden, auch die zusätzlichen
Kosten zu finanzieren und das Beste aus allem zu machen. Hier
hat sich die Freundschaft von Rachel Vardi und Kurt Lungen bewährt,
die schon seit über 20 Jahren gemeinsame Begegnungen mit
Erfolg durchgeführt haben.
Anm.von W.Wende zu dieser Begegnung
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